Amor vincit omnia

Das Thema des Gestells hatte allerdings, wie mir sein Schöpfer anvertraute, einen andern, tieferen Ursprung: die Betroffenheit durch das Gemälde „Amor vincit omnia“ von Caravaggio. „Amor vincit omnia“ ist das grundlegende Thema des Gestells an der Fassade der Villa Maraini. Man kann es ganz einfach auffassen: Die Liebe zu Rom und seiner heutigen Erscheinung, die dem Werden unserer Zivilisation und Kultur einen unvergleichlichen Ausdruck gibt, wird durch das Besteigen der Terrasse über das Gestell erfüllt. Oder: An die harten Steine, Flächen, Ecken des akademisch erdachten und gebauten Gehäuses mit seinen von tausenderlei Zwängen geplagten Bewohnern lehnt ein Gestell, dessen Form von der leidenschaftlich erfassten Gestalt des Liebesknaben durch Caravaggio inspiriert ist und über die zweckgebundene Architektur triumphiert. Ich begriff, dass der siegreiche Knabe mit seinen weit geöffneten Armen und Beinen und dem bereitwillig vorgezeigten Geschlecht das Auskragen der „Arme“ und „Beine“ der Treppenläufe, Geländer, Quergänge und Aussichtsabsätze des Gestells bewirkt. (Fortsetzung nächstes Bild)